Vorwort

Vorwort:

Als ich im Jahr 2011 das Lagerbuchfragment der Kastnerei Heidenheim aus dem Jahre 1567, das heutige Walbacherfeld betreffend, fand und dies auswertete, stieß ich auch auf eine Urkundenabschrift aus dem Jahre 1484, in der ein Cunz Wagner zu Gussenstadt gesessen eines der Lehen zu Walbach erhielt. Als Vorbesitzer wurde Lucas Fiolmann (Veyelmann) erwähnt. Ich griff zur Ortschronik von Gussenstadt Bd. 1 aus dem Jahre 1912 von Georg Thierer und suchte im Häuserverzeichnis nach einem Cunz Wagner, dieser war dort aber nicht aufgeführt. Im Verzeichnis der Familiennamen auf Seite 199 konnte ich aber unter denen im Lagerbuch 1474 aufgeführten den Namen Veyelmann und auch den Vornamen Lucas finden. Da ich sonst keinen Hinweis zu diesen Personen in der Ortschronik finden konnte, entschloss ich mich das Originallagerbuch des Klosters Anhausen aus dem Jahre 1474 im Staatsarchiv in Stuttgart durchzusehen um festzustellen, in welchem Zusammenhang dieser Lucas Veyelmann dort aufgeführt ist.

Bei der Durchsicht musste ich leider feststellen, dass Thierer einen Großteil der dort unter Gussenstadt aufgeführten Lehen und Selden überhaupt nicht in der Ortschronik aufführte und somit für den Leser der Ortschronik ein völlig falsches Bild über die Größe von Gussenstadt im Jahre 1474 hinterließ.

Wenn er auch die genaue Zuordnung im Häuserverzeichnis nicht durchführen konnte, so wäre es aber sinnvoll gewesen, er hätte die Anwesen und Ihre Besitzer erwähnt.

Drei Fragen stellten sich mir nach der Durchsicht des Lagerbuches:

  1. Warum ist ihm nicht aufgefallen, dass Trümpeller Hansmit Huber Hainzenein Tauschgeschäft mit Wissen des Abtes zu Anhausen durchgeführt hatte, wobei es sich um eine frühere Taverne handelte, was für ihn also die erste Nennung einer Wirtschaft hätte sein müssen?
  2. Wie kann er behaupten, dass das Haus 20 der ehemalige Könnigsbronner Hof sei, wo dieser Hof doch 1474 seine Gült an das Kloster Anhausen zahlt, er aber selber eine Urkundenabschrift aus dem Jahre 1480 abdruckt, nach der, der Königsbronner Hof erst 6 Jahre später zum Kloster Anhausen gekommen ist?
  3. Warum ist ihm bei der Durcharbeitung der 50 Seiten Gussenstadt betreffend die Nennung seines eigenen Familiennamens nicht aufgefallen? Dies wäre sicherlich eine Erwähnung wert gewesen zumal, es für ihn die erste Nennung seines Familiennamens gewesen wäre und er dies 1908 in seiner Familienchronik Thierer noch nicht erwähnt hatte. Zwischenzeitlich kann man das Gerstetter Lagerbuch von 1463 als erste Nennung des Namens Thierer angeben. Siehe Guther „Gerstetten und seine Nachbarn im Wandel der Zeit“ Band I.

Diese neuen Erkenntnisse und die Fragen veranlassten mich zu weiteren Forschungen bei denen ich feststellen musste, dass nicht nur die Angaben von 1474 bei Thierer nicht vollständig sind und auch ein Großteil des sich im Band 1 befindenden Häuserverzeichnis fehlerhaft ist und große Lücken aufweist. Ich entschied mich deshalb, einen Ergänzungs- und Berichtigungsband zur Ortsgeschichte von Gussenstadt zu erstellen.

Schnell musste ich aber feststellen, dass dies nicht mit einem kleinen Heft zu erledigen war. Auf Grund des Umfanges der Quellen entschloss ich mich, dies in einem größeren Werk zu veröffentlichen.

War ich anfänglich noch verwundert und habe mir die Frage gestellt, warum Thierer vieles nicht berücksichtigt hat, obwohl er dieselben Quellen in der Hand hatte und die Schrift sicherlich noch besser lesen konnte wie ich, so kann ich heute sagen, ohne die heutige Technik mit Computer und digitalisierten Quellen, welche man in Ruhe zuhause durcharbeiten kann war es für ihn nur schwer möglich, ein noch besseres Häuserverzeichnis für die Zeit nach 1538 zu erstellen.

Die digitalisierung der Akten ermöglichte es mir, diese zuhause auszuwerten und in unzähligen Tabellen aufzuarbeiten, was als Grundlage für diese Bücher unerlässlich war. Immer wieder mussten die Quellen und die Handschriften miteinander verglichen werden und oft stellte sich heraus, dass es sich schon bei den Quellen um spätere Abschriften der heute nicht mehr vorhandenen Originale handelte, in welchen die ursprünglichen Informationen und die Nachträge aus zweiter und dritter Hand erst auf Grund mehrmaligem Lesen oder auf Grund des Vergleichs mit anderer Quellen erkennbar waren. Hinzu kam, dass ich bei meinen Forschungen auch auf Quellen gestoßen bin, welche Thierer -aus welchen Gründen auch immer- nicht bearbeitet hatte. Von großer Hilfe war es auch, dass ich die Familien schon im meinem 2003 herausgegebenen Ortsfamilienbuch zusammengestellt hatte. Nur dadurch war es oft möglich, die Besitzwechsel von einzelnen Häusern zu erklären.

Bei der Aufarbeitung und dem Zusammenschreiben meiner Auswertungen und Forschungen habe ich mich auf Grund des immer größer werdenden Umfanges entschlossen zur besseren Handhabung zwei Bände daraus zu machen.

Der fünfte Band wird das berichtigte und ergänzte Häuserverzeichnis bis 1827 enthalten. Aufgeführt werden die Besitzer ab 1474, wobei für 1474 und 1538 nur die Namen genannt sind, da die weitern Daten sich schon im Band 4 befinden. Nach 1538 aufgeführte Besitzer sind auf Grund der 1564 beginnenden Kirchenbücher (Tauf-, Ehe- und Sterberegister,) mit ihren Familien und ihrem urkundlich festzustellenden Besitz aufgeführt: Haus, Ländereien, Vieh und Fahrnis (Hausrat). In diesem Verzeichnis werden nun auch die Häuser, welche Thierer noch als vermutlich zwischen 1580 und 1624 entstanden aufführte, bis zu ihrer Entstehung oder ersten Nennung zurückverfolgt. Zum Häuserverzeichnis sind Ortspläne für die Jahre 1629, 1748 und 1829 dem Buch beigefügt. Diese Pläne sind auf Grundlage der ersten offiziellen Vermessungsakten, den 1827 von Geometer Weilmann erstellten Brouillon zur Messtischplatte und dem daraus entstandenen Ortsplan erstellt. Ebenfalls enthält der Band 2 Hausnummernvergleichslisten welche es ermöglichen Nennungen von Häusern in den unterschiedlichsten Quellen eindeutig den heutigen zuzuordnen.

Ausgewertet wurden für diese neue Gussenstadter Ortsgeschichte über hundert Quellen, welche aus mehreren tausend Seiten bestehen. Bei den Quellen handelt es sich um Urkunden, Rechtsakten, Lehensbriefe, Sal- und Lagerbücher, Haischbücher, Steuer- und Güterbücher, Kaufbücher, Rechnungsbücher, Leibeigenenverzeichnisse, Viehzählungslisten, Kirchenbücher, Bürgerbücher und andern Akten. Diese stammen aus zehn Archiven: Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Landesarchiv Ludwigsburg, Bayrisches Hauptstaatsarchiv München, Staatsarchiv Augsburg, Stadtarchiv Ulm, Stadtarchiv Geislingen, Ortsarchiv Gussenstadt, Gräflich Rechbergisches Archiv Donzdorf, Vermessungsamt Heidenheim sowie ev. Kirchengemeinde Gussenstadt.

Ohne Unterstützung und Hilfe wäre diese Arbeit nicht möglich gewesen, deshalb möchte ich mich bei allen bedanken, welche mich hierbei unterstützt haben. Ein besonderer Dank geht an meinen Vereinskollegen Uli Binder (Ulm) für seine Unterstützung bei der Digitalisierung der Quellen sowie für die Stunden, welche wir bei Online Meetings zum Lesen von schwierigen Quellentexten verbracht haben. Ohne seine Hilfe hätte ich wohl noch einige Zeit länger benötigt, um dieses Werk zu erstellen. Dank sei auch an die Archive gesagt, aus deren Beständen die Unterlagen stammen.

 Willi-Martin Jäger Gussenstadt 2015 

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